Greifbare Zeit

Archäologie und Denkmalpflege auf der Insel Rügen

Schlagwort-Archiv: Waldhalle

Das längste Hünenbett Rügens

In der Schrift, Die Insel Rügen nach ihrer archäologischen Bedeutung, Stralsund 1886, beschrieb Rudolf Baier ein Hünenbett aus der Jungsteinzeit mit der ungewöhnlichen Länge von 73 m und einer Breite von 6,50 m bei der Waldhalle nördlich von Sassnitz. An der südwestlichen Schmalseite soll es von vier, einen halben Meter aus dem Boden herausragenden Findlingen und an den Langseiten von kleineren Steinen eingefasst gewesen sein. Die ganze Oberfläche war der Beschreibung zufolge mit kopfgroßen Rollsteinen gepflastert. Da das Grab später weder Ernst Sprockhoff, noch Ewald Schuldt oder ein anderer Bearbeiter der mittelneolithischen Großsteingräber erwähnte, erschien es angebracht, die Angaben von Rudolf Baier im Gelände zu überprüfen. Im Januar 2015 entdeckte ich tatsächlich ein Objekt in der Nähe der Waldhalle, auf das die Angaben zutrafen. Da den Hügel in der Mitte ein Waldweg durchschnitt und die Steine von Steinschlägern entfernt worden waren, war es nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Insel Rügen. Länge (blau) und Breite (rot) der Hünenbetten.

Insel Rügen. Länge (blau) und Breite (rot) der Hünenbetten.

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Frottage vom Schälchenstein an der Waldhalle bei Sassnitz

In der Nähe des Restaurants „Waldhalle“, im Nationalpark Jasmund bei Sassnitz auf der Insel Rügen, liegt unmittelbar am Wegrand ein sogenannter Schälchenstein aus vorgeschichtlicher Zeit. Es handelt sich hier um einen besonders großes Exemplar (Länge: 310 cm), das nicht nur mit über 100 Schälchen bedeckt ist, sondern auch eine ovale Reibmulde zum Anschleifen von Steingeräten aufweist. Den Stein entdeckte 2001 der Sassnitzer Lehrer Holger Menzel-Harloff. Nach Anmeldung beim Nationalparkamt startete ich während der Ferien mit den Kindern den Versuch, eine Frottage des interessanten Objekts anzufertigen. Ausgestattet mit Packpapier, Klebeband, Graphitpulver und Wischtuch machten wir uns an die Arbeit.

Frottage, Arbeitsmaterial

Frottage, Arbeitsmaterial


Leider war der Stein ziemlich mit Moos zugewachsen – die Natur musste im Natianlapark natürlich unangetastet bleiben. So wurde die Frottage etwas unscharf. Über den Stein legte ich das Packpapier und befestigte es an den Rändern mit Klebeband. Dann füllte ich in das mitgenommene Marmeladenglas etwas Graphitpulver, tauchte den Lappen ein und rieb dann über dem Packpapier die Oberfläche des Schälchensteins ab. Mit den gesammelten Erfahrungen werden wir die Aktion fortsetzen, z. B. an mittelalterlichen Grabsteinen in der Marienkirche von Stralsund.
Frottage. Bei der Arbeit.

Schälchenstein bei der Waldhalle. Bei der Anfertigung einer Frottage.