Greifbare Zeit

Archäologie und Denkmalpflege auf der Insel Rügen

Schlagwort-Archiv: Prora

Spuren der Firma DEUBAU im KDF-Seebad Prora

Auf der Baustelle der Kraft durch Freude Organisation in Prora auf Rügen arbeiteten zwischen 1938 und 1939 die acht größten Baufirmen der damaligen Zeit. Nach Grit Brosowski hatte jede Firma ein Bettenhaus zu errichten. Bisher war nicht bekannt, welche Firma die heute noch erhaltenen Blöcke 1-5 erbaut hat. Bei der Besichtigung des unterirdischen Versorgungstunnels, der sich durch den gesamten Baukomplex hindurchzieht, fand sich jetzt ein Hinweis. In Block 1 verwendete die Baufirma Schalbretter mit ihrem Firmenlogo DEUBAU, welches sich spiegelbildlich im Beton abzeichnete.

Prora KDF-Seebad, Insel Rügen. Abdruck eines Schalbretts der Firma DEUBAU.

Prora KDF-Seebad, Insel Rügen. Abdruck eines Schalbretts der Firma DEUBAU.

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KDF-Gefolgschaftswohnungen in Binz

Im Archiv der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Vorpommern-Rügen befindet sich ein vom 30. November 1940 datierter Plan aus dem Büro der nationalsozialistischen „Bau- und Betreuungsgesellschaft der Deutschen Arbeitsfront“ mit der Überschrift: „KDF-Seebad Rügen, Gefolgschaftswohnungen in Binz“. In dem Dreieck zwischen Proraer-Chaussee, Dollahner Straße und Bahnhof ist eine mit Plätzen und Vorgärten gegliederte Anlage für 200 Wohneinheiten dargestellt. Die Planungen deuten darauf hin, dass die KDF-Organisation – vermutlich angesichts der militärischen Erfolge im Westfeldzug – auf eine Fortsetzung der Baumaßnahmen am Seebad in Prora hinarbeitete. Ein Vergleich mit der heutigen Bebauung in Binz zeigt jedoch, dass die Planungen nicht zur Ausführung kamen.

Binz, Insel Rügen. KDF-Seebad Prora. Geplante Gefolgschaftswohnungen.

Binz, Insel Rügen. KDF-Seebad Prora. Geplante Gefolgschaftswohnungen.

Rekonstruktionsversuch des Großdolmens von Hagen

In meinem Beitrag vom 5. August 2013 habe ich das Schicksal des Großsteingrabs von Hagen (Gemarkung Prora, Gemeinde Binz) als Steinbruch für Heldendenkmale in Binz, Putbus und Zirkow beschrieben. Der damals noch unbekannte Verbleib des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Binz, zu dem nach W. Hansen (W. Hansen, Mannus 25, 1933, 337-352) der Deckstein des Großdolmens umgearbeitet worden ist, konnte jetzt aufgeklärt werden. In der Ortschronik, die vor dem Kurhaus von Binz in einer Schautafel ausgehängt ist, findet sich für das Jahr 1913 folgender Eintrag: „… Das Kaiserdenkmal (Ecke Putbuserstraße-Strandpromenade) wird für 25 Regierungsjahre Wilhelm II. eingeweiht. Heute ist es ein Gedenkstein mit der Inschrift Seebad 1884„. Der bei W. Hansen publizierte Grundriss erlaubt nun eine Rekonstruktion des Großdolmens.

Hagen, Insel Rügen. Rekonstruktionsversuch des zwischen 1896 und 1926 zerstörten Großdolmens. Grundriss nach W. Hansen, 1933.

Hagen, Insel Rügen. Rekonstruktionsversuch des zwischen 1896 und 1926 zerstörten Großdolmens.

Heile Welt im Bunker

Tief im Bunkersystem der Fla-Raketenabteilung 4324 auf den Moritzhagener Bergen bei Neuenkirchen entdeckte ich das Bild: Blick auf Bobbin. Gemalt hat es Michael Karrasch, 1985. Im Keller der Kasernen im KdF-Seebad Prora, ein weiterer Fund: Holländische Windmühle im Kornfeld. Nach dem Bauboom der letzten Jahre dürften beide Werke inzwischen verschwunden sein.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Gemälde im Raketenbunker.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Gemälde im Raketenbunker.

Prora, Insel Rügen. Holländische Landschaft in einem Clubraum der NVA-Kaserne

Prora, Insel Rügen. Holländische Landschaft in einem Clubraum der NVA-Kaserne

Spuren vom Baulager des KdF-Seebads in Prora, Insel Rügen

Luftaufnahmen vom 23. Juni 1943 zeigen im Bereich des Kdf-Seebades noch vier Jahre nach dem kriegsbedingten Baustop umfangreiche Anlagen und Unterkunftsbauten der ehemaligen Baustelleneinrichtung. Besonders markant tritt das vor dem Festplatz angeordnete Baulager der „Siemens-Bau-Union“ hervor, in dem sich Baracken, Wege, Freiflächen und sogar einzelne Zierbeete abzeichnen.

KdF-Seebad Prora

KdF-Seebad Prora. Luftbild 1943.

Im Sommer 2007 habe ich mich im Gelände nach Spuren umgesehen und war erstaunt, wie viel nach 73 Jahren noch übrig geblieben war. Die Fundamente der ehemaligen Bauleiterbaracke waren noch vollständig im Gelände auszumachen. Daneben konnte ein Feuerlöschteich, weitere Fundamente und Lagerplätze lokalisiert werden. Selbst Gehölze der ehemaligen Zierbeete, wie Wacholderpflanzungen, waren noch – zu stattlicher Größe herangewachsen – vorhanden. Weitere interessante Befunde waren im Areal des Jugendzeltplatzes zu entdecken. Anhand der Höhe des Bewuchses hoben sich spiegelbildlich um den Bauplatz der Schwimm- und Gymnastikhalle angelegte Wege im Gelände ab. Das konnte als Hinweis darauf gewertet werden, dass der Freiflächengestaltungsplan von W. Tschörtner bereits zu Beginn der Baumaßnahme (1936) umgesetzt worden ist.