Greifbare Zeit

Archäologie und Denkmalpflege auf der Insel Rügen

Schlagwort-Archiv: Pastitz Forst

Celtic-fields bei Putbus

Pastitz-Forst, Insel Rügen. Celtic-fields. Rechts oben die Bahnlinie Putbus-Bergen.

Pastitz-Forst, Insel Rügen. Celtic-fields. Rechts oben die Bahnlinie Putbus-Bergen.

Durch die Bereitstellung von digitalen Geländemodellen durch das Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen Mecklenburg-Vorpommern ist es nun möglich, bisher unzugängliche Waldgebiete nach Strukturen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit zu durchsuchen. In den Karten finden sich nicht nur Grabhügel, Großsteingräber, Burgwälle und Schwedenschanzen, sondern auch vorgeschichtliche Flurrelikte, die nach Funden in Großbritannien in der Fachsprache als celtic-fields bezeichnet werden. Ein Gebiet von über 1000 Quadratmetern Größe liegt im Wald zwischen Putbus und Bergen. Nach einer Aufbereitung des digitalen Kartenausschnitts mit der Software GIMP konnten die verschachtelten Felder sichtbar gemacht werden.

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Soldatengraffiti

Graffiti, auf Wände oder in Baumrinde geritzte Notizen von Soldaten, sind auf der früher intensiv militarisierten Insel Rügen häufig zu finden. Der älteste Beleg stammt von dem Gelände des Sperrwaffenarsenals Tilzow bei Bergen. Am 3. Juni 1943 verewigte sich hier auf einem Baumstamm ein Soldat (oder Zwangsarbeiter) mit seinem Porträt. An seine Freundin in Dresden dachte vermutlich ein Soldat des Marinepionierbataillons (MPiB-18) in Sassnitz-Dwasieden, als er seine Monika in die Trümmer des Schlosses einritzte. Unklar ist die Bedeutung einer Notiz vom 26. März 1987 auf einem Bunker der Fla-Raketenabteilung 4324 in Neuenkirchen, Moritzhagener Berge. Vielleicht handelt es sich um einen Prüfvermerk.

Pastitz Forst, Insel Rügen. Baumgraffiti im Sperrwaffenarsenal Tilzow.

Pastitz Forst, Insel Rügen. Baumgraffiti im Sperrwaffenarsenal Tilzow.

Sassnitz Dwasieden, Insel Rügen. Graffiti auf einem Trümmer des Schlosses.

Sassnitz Dwasieden, Insel Rügen. Graffiti auf einem Trümmer des Schlosses.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Graffiti auf einem Bunker.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Graffiti auf einem Bunker.

Zerstörungen an Großsteingräbern auf Rügen während der NS-Zeit

Im zweiten Teil der „Denkschrift über Vorgeschichte“, einer 1939 im SD-Hauptamt verfassten „Personalstudie“ über das Fach Vor- und Frühgeschichte im Dritten Reich, wurde als „Pfleger für die vorgeschichtlichen Bodenaltertümer im Kreis Rügen“ Dr. Carl Gustav von Platen, Gutsverwalter unter Malte von Putbus (1889-1945), Historiker und Verfasser zahlreicher Schriften zur rügenschen Geschichte, aufgelistet. Die Gesamtbeurteilung des Mannes durch das SD-Hauptamt fiel allerdings negativ aus: Seine Verdienste in der Rugierforschung seien unbedeutend und er habe geduldet, dass zwei von Alfred Haas entdeckte Gräber zerstört und zur Steingewinnung benutzt wurden. Bei den zerstörten Gräbern handelte es sich wahrscheinlich um die beiden von Alfred Haas 1921 publizierten Großsteingräber neben der Bahnlinie Bergen – Putbus im Pastitzer Forst. Da Funde und Fundakten zu diesen Gräbern seit dem 2012 vollzogenen Austausch zwischen dem Muzeum Narodowe w Szczecinie und dem Kulturhistorischen Museum Stralsund zugänglich sind, ist es jetzt möglich, weiteren Hinweisen nachzugehen. In einem zur Akte gehörenden Brief des Greifswalder Professors Wilhelm Petzsch an Otto Kunkel, den Direktor des Provinzialmuseums Stettin vom Oktober 1932 geht es um diese beiden Gräber: „Der Finder ist seit Jahren in Amerika; sein Vater weiß aber genau, dass die Sachen zusammen in Pastitz gefunden sind. Möglicherweise handelt es sich um das 1894 geöffnete Grab, das ich in meiner Steinzeit Rügens Taf. VIII Nr. 1 a. b. abbilde, oder ein gleiches, das auf der anderen Seite der Bahnstrecke Bergen-Putbus liegt und von dem Finder zuerst entdeckt ist (vor 1920).“ Bezog sich die Kritik des SD-Hauptamts auf dieses Szenario?

Pastitz Forst, Insel Rügen. Eines der wenigen Dokumentationsfotos von Dr. W. Böttcher. Das Bild zeigt die ausgeräumte Grabkammer.

In der „Denkschrift für Vorgeschichte“ fand sich noch eine zweite Spur über Zerstörungen von Großsteingräbern während der NS-Zeit. Es ging um den Lehrer an der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt in Putbus, Dr. StudR. Werner Böttcher. Das SD-Hauptamt vermerkte, dass sich der SD-Oberabschnitt Nord in Stettin, auf Empfehlung des oben genannten Dr. Carl Gustav von Platen, für ihn einsetzen würde. So ließe sich erklären, dass Dr. Werner Böttcher in der NS-Zeit unautorisierte und undokumentierte Ausgrabungen im Pastitzer Forst durchführen konnte. Erst 1971 wurden einige seiner Aktivitäten durch die Publikation von Ingeburg Nilius aufgedeckt und öffentlich bekannt.

Literatur:

Alfred Haas, Zwei Hünenbetten in der Pastitzer Forst. Monatsblätter 21, 1921, 10-12.

Ingeburg Nilius, Das Neolithikum in Mecklenburg zur Zeit und unter besonderer Berücksichtigung der Trichterbecherkultur, Schwerin 1971.

Wilhelm Petzsch, Die Steinzeit Rügens. Greifswalder Mitteilungen 3, 1928.

Grabfunde aus dem Pastitzer Forst

Pastitz Forst, Insel Rügen. Neolithische Keramik.

Pastitz Forst, Insel Rügen. Neolithische Keramik.

Neolithische Grabfunde aus dem Pastitzer Forst zwischen Putbus und Bergen waren seit dem Ende des 2. Weltkriegs im Muzeum Narodowe Szeczecinie (Stettin) magaziniert und unzugänglich. Im Rahmen eines Austauschs von Kulturgütern wurden die Funde, einschließlich der dazugehörigen Fundakten, aus den Beständen des ehemaligen Provinzialmuseums im September 2012 dem Kulturhistorischen Museum in Stralsund übergeben.