Greifbare Zeit

Archäologie und Denkmalpflege auf der Insel Rügen

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Vorgeschichtliche Grabanlagen auf Wittow, Insel Rügen

Die nördlichste Teilinsel von Rügen, das Windland „Wittow“, wird aus archäologischer Sicht am ehesten mit dem Burgwall Arkona verbunden. Aber man findet auch neolithische Großsteingräber mit beachtlichen Hünenbetten bei Nobbin im Osten und Starrvitz im Westen der Insel und zwei weitgehend unbekannte Grabanlagen im Küstenschutzwald bei Schwarbe.

Schwarbe, Insel Rügen. Das Großsteingrab während einer Notbergung 2007.

Schwarbe, Insel Rügen. Das Großsteingrab während einer Notbergung 2007.


Wie aus der Kartierung von Friedrich von Hagenow (1829) und dem preußischen Urmesstischblatt (1836) erkennbar, gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Großsteingräber südlich Putgarten, bei Goor, Nonnevitz, östlich Gramtitz und in der Nähe der Wüstung Banzelvitz bei Breege weitere Gräber. Dazu kam ein großes Hügelgräberfeld in der Feuchtniederung bei Lüttkevitz. Leider wurden diese Grabanlagen aufgrund von landwirtschaftlichen Rationalisierungsmaßnahmen Ende des 19. Jahrhunderts zerstört. Die Karte Friedrich von Hagenows weist auf dem Teilblatt, auf dem Wittow dargestellt ist, eine leichte Schwäche der Druckplatte auf. Die Gräber sind jedoch auf dem handkolorierten Exemplar im Kulturhistorischen Museum Stralsund und dem preußischen Urmesstischblatt zu erkennen. Nach diesen Vorlagen wurde die folgende Karte angefertigt.
Wittow, Insel Rügen. Vorgeschichtliche Gräber nach der Karte Friedrich von Hagenows 1829.

Wittow, Insel Rügen. Vorgeschichtliche Gräber nach der Karte Friedrich von Hagenows 1829.

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Eine neolithische Rinderbestattung bei Varnkevitz auf Rügen

1996 entdeckte Detlef Stübe im Kliff bei Varnkevitz eine Grube, die durch einen Uferabbruch am sogenannten „Höllen-Liet“ freigelegt worden war. Die Grube war sorgfältig mit faustgroßen Granitkieseln ausgekleidet und mit einem Granitpflaster abgedeckt. In der Grube befand sich ein Rinderskelett. „Das Tier lag“, so der Fundbericht, „auf dem Rücken im Knochenverband mit Blick nach Westen – wie hereingepresst“. Funde wurden nicht gemacht. Aus der Nähe stammten neolithische und slawische Artefakte und auch menschliche Knochen, so zum Beispiel ein Schädel.

Die Fundstelle der Rinderbestattung am "Höllen-Lieth".

Varnkevitz, Insel Rügen. Die Fundstelle der Rinderbestattung am „Höllen-Lieth“.


Die Rinderbestattung war eine im prähistorischen Europa von Ägypten bis Skandinavien verbreitete Ritualhandlung, die vermutlich mit einer kultischen Verehrung des für die frühen Viehzüchter wichtigen Tieres einherging. Die Belege aus Mecklenburg-Vorpommern wurden im Jahrbuch 1997 der Reihe „Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern“ durch Axel Pollex zusammengestellt.

Das Großsteingrab bei Mariendorf, Insel Rügen

In der Karte Friedrich von Hagenows (1829) ist auf dem Buchstaben „M“ des Ortsnamens „Middelhagen“ ein steinzeitliches Großsteingrab der Form 2 verzeichnet. Es wurde auch noch im preußischen Urmesstischblatt (1838) kartiert, doch nach 1904, nach der tabellarischen Auflistung bei Rudolf Baier (Vorgeschichtliche Gräber auf Rügen und in Neuvorpommern, Greifswald 1904), verliert sich die Spur. Wie die meisten Großsteingräber der Insel Rügen wurde das Mariendorfer Grab am Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund von Rationalisierungszwängen in der Landwirtschaft zerstört. Die in den alten Karten verzeichnete Stelle konnte 2012 auf einem Acker nördlich des Ortes Mariendorf am südöstlichen Rand einer Feuchtniederung lokalisiert werden.

Das Grab bei Mariendorf auf der Karte F. von Hagenows 1829.

Das Grab bei Mariendorf , Insel Rügen, auf der Karte F. von Hagenows 1829.


Hier fiel eine leichte, aber deutlich wahrnehmbare, auf ca. 30 m breitgezogene Erhebung auf. Es war die einzige Anhöhe auf dem Acker zwischen Niederung und Ortslage Mariendorf. In der Mitte befanden sich mehrere Granittrümmer und Fragmente von Rotsandsteinplatten, mit denen das Trockenmauerwerk zwischen den Trägersteinen der Grabkammer ausgeführt wurde.

Die einzige Abbildung vom prähistorischen Steinkreis bei Krakow, Insel Rügen

Die Aufzeichnungen und Skizzen Friedrich von Hagenows vom Anfang des 19. Jahrhunderts galten bis heute als die einzigen bildlichen Darstellungen der neolithischen Großsteingräbergruppe bei Krakow östlich der ehemaligen Kreisstadt Bergen auf Rügen (H. Berlekamp, Nachrichten über zerstörte Großsteingräber der Insel Rügen. Greifswald-Stralsunder Jahrbuch 2, 1962, 9-15). Zusammen mit Beschreibungen von L. Th. Kosegarten (1782) und J. J. Grümbke (1819) lassen sie aber nur ein undeutliches Bild von der großartigen Nekropole entstehen, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts von Steinschlägern zerstört wurde.
2009 entdeckte ich im Ernst-Moritz-Arndt Museum Garz ein Skizzenbuch des Lehrers Paul Grützmacher, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Schule in Bergen als Konrektor unterrichtete. Auf Seite 3 ist ein Hügelgrab in einer ungewöhnlichen Setzung aus mindestens 13 stelenartigen Steinblöcken dargestellt. Die Beischrift gibt Auskunft über das Motiv: „früheres Hügelgrab bei Krakow“. Das Skizzenbuch soll in der Schriftenreihe der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft veröffentlicht werden.

Krakow, Insel Rügen. Hügelgrab mit Steinsetzung.

Krakow, Insel Rügen. Hügelgrab mit Steinsetzung.

Neuenkirchen auf Rügen – Grabhügel im NVA-Raketenobjekt

Ein entlegener Fleck auf der Insel Rügen, die Moritzhagener Berge bei Neuenkirchen, ist nach dem Verkauf durch die Treuhand (TLG) in den Fokus von Investoren geraten. Aus den von einem Planungsbüro erarbeiteten Unterlagen des Bebauungsplans geht hervor, dass den Höhenzug einst 30 Grabhügel aus vorgeschichtlicher Zeit zierten. Die meisten Grabhügel wurden jedoch am Ende des 19. Jahrhunderts zur Vergrößerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche eingeebnet; nur drei Gräber blieben erhalten. Über Funde ist nichts bekannt, aber vielleicht stammt ein Schwert der älteren Bronzezeit im Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin (Inventar: Ic 3541 a) aus einem der damals zerstörten Gräber.

Moritzhagen Grab 2

Moritzhagen (Rügen) Grab 2. Das stark verbuschte Grab inmitten von NVA-Ruinen.


In den 70er-Jahren wurde eine Raketenbasis für die „Fla-Raketenabteilung 4324“ auf dem Höhenzug errichtet. Das Militär respektierte die noch vorhandenen Grabanlagen. Die mächtigen Bunker zeugen vom „Kalten Krieg“. Die mit Graffiti bedeckten Wände der Aufenthalts- und Schutzräume vermitteln außerdem einen Eindruck von der Alltagswelt der NVA-Soldaten.

Bei einem Besuch Anfang Dezember 2011 waren die Bauarbeiten für einen Solarpark schon voll im Gang. Das Gelände war zuvor vom Kampfmittelräumdienst untersucht worden. Danach wurde die Oberfläche beräumt und Vorbereitungen für die Installation der Solarmodule durch die M+W Solar GmbH aus Stuttgart getroffen. Die beiden im Gelände befindlichen Grabhügel wurden dabei weiträumig aus dem Baufeld ausgeklammert und nicht angetastet.