Greifbare Zeit

Archäologie und Denkmalpflege auf der Insel Rügen

Geologische Makrostrukturen

Durch die vom Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen M-V bereitgestellten LiDAR-Daten (Light detection and ranging) ist es nun möglich geologische Strukuren in großen Zusammenhängen zu erfassen und zu verstehen. Besonders eindrucksvoll sind Makrostrukturen im Bereich von Trent im nordwestlichen Teil der Insel Rügen. Hier zeigt das LiDAR-Luftbild einen Schwarm von über zwanzig parallelen Linien, die sich, wie mit dem Lineal gezeichnet, über eine Länge von bis zu 15 km hinziehen. Der Winkel zur Ost-West-Richtung beträgt 56 Grad. Im Gelände sind die Strukturen aus der Bodenperspektive nicht oder nur schwach als leichte Wellen im Sandboden wahrnehmbar. Da die geologische Übersichtskarte im Raum von Trent Kiessand und Sand der Oser des Weichselglazials ausweist, gehen die beobachteten Strukturen vermutlich auf Abschmelzprozesse der letzten Eisbewegungen des Weichselgletschers zurück.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

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Der fürstliche Spalierobstgarten in Putbus

Nach der Beschreibung des fürstlichen Treibgärtners D. Zoch im Gartenmagazin: Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau vom 20. Januar 1895 hatte der Obstgarten in Putbus über 80 Birnen- und Apfelspaliere, sowie Anpflanzungen mit Pfirsichen, Aprikosen und Schattenmorellen. Viele der Sorten, wie Belle des Abrés oder Hardenponts Leckerbissen, sind im Obstangebot unserer Zeit nicht mehr präsent; nur Williams gute Christbirne kommt einem noch bekannt vor. Bei Pflegearbeiten, die Mitarbeiter des Biospärenreservats in den letzten Jahren im östlichen Parkbereich durchführten, konnten verwilderte, knorrige Relikte von den alten Obstspalieren freigeschnitten werden.

Putbus, Insel Rügen. Obstspalier nach D. Zoch, 1895.

Putbus, Insel Rügen. Obstspalier nach D. Zoch, 1895.

Putbus, Insel Rügen. Rest eines alten Spalierobstbaums im Schlosspark.

Putbus, Insel Rügen. Rest eines alten Spalierobstbaums im Schlosspark.

Utkiek im Park

Zur Ausstattung der Landschaftsparks auf der Insel Rügen gehören künstliche Aufschüttungen oder natürliche Anhöhen, sogenannte Utkieks, von denen aus weite Ausblicke in die freie Landschaft möglich sind. Man findet sie zum Beispiel in Boldevitz, Poggenhof, Poppelvitz auf Zudar und in Tetzitz. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liegt in der südöstlichen Ecke des Parks von Neuendorf in der Gemeinde Neuenkirchen. Es ist ein mächtiger, 4 m hoher, prähistorischer Grabhügel, den auch Friedrich von Hagenow in seiner Karte von 1829 verzeichnet. Vor dem Hügel umgrenzt ein schmiedeeiserner Zaun die Grabstätte der Gutsherren von Neuendorf. Es finden sich Namen aus den Adelsgeschlechtern von Platen und von Richter.

Neuendorf, Insel Rügen. Vorgeschichtlicher Grabhügel und Grabanlage der Familien von Platen und von Richter.

Neuendorf, Insel Rügen. Vorgeschichtlicher Grabhügel und Grabanlage der Familien von Platen und von Richter.

Das längste Hünenbett Rügens

In der Schrift, Die Insel Rügen nach ihrer archäologischen Bedeutung, Stralsund 1886, beschrieb Rudolf Baier ein Hünenbett aus der Jungsteinzeit mit der ungewöhnlichen Länge von 73 m und einer Breite von 6,50 m bei der Waldhalle nördlich von Sassnitz. An der südwestlichen Schmalseite soll es von vier, einen halben Meter aus dem Boden herausragenden Findlingen und an den Langseiten von kleineren Steinen eingefasst gewesen sein. Die ganze Oberfläche war der Beschreibung zufolge mit kopfgroßen Rollsteinen gepflastert. Da das Grab später weder Ernst Sprockhoff, noch Ewald Schuldt oder ein anderer Bearbeiter der mittelneolithischen Großsteingräber erwähnte, erschien es angebracht, die Angaben von Rudolf Baier im Gelände zu überprüfen. Im Januar 2015 entdeckte ich tatsächlich ein Objekt in der Nähe der Waldhalle, auf das die Angaben zutrafen. Da den Hügel in der Mitte ein Waldweg durchschnitt und die Steine von Steinschlägern entfernt worden waren, war es nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Insel Rügen. Länge (blau) und Breite (rot) der Hünenbetten.

Insel Rügen. Länge (blau) und Breite (rot) der Hünenbetten.

Wer denkt noch an Dr. Hugo Sholto Graf von Douglas?

Einige der Gutsherren des 19. und 20. Jahrhunderts wählten ihre letzte Ruhestätte nicht auf dem Friedhof, sondern in der Nähe ihres Wohnortes. Nordwestlich des Festspielgeländes von Ralswiek entdeckte ich 2007 das völlig verfallene Grab des Großindustriellen Dr. Hugo Sholto Oskar Georg Graf von Douglas (1837-1912), dem Erbauer des Schlosses, des Parks und der skandinavischen Stabkirche in Ralswiek auf der Insel Rügen.
Im dichten Unterholz zeichnet sich ein quadratischer, mit Ilex gesäumter, ca. 20 m breiter Platz ab, der mit einem eisernen Gitter verschlossen ist. Am Ende erhebt sich auf einem Sockel ein Kreuz aus rotem Granit. Davor liegt ein umgefallenes Kreuz mit der Grabinschrift. Die unterirdische Gruft ist eingebrochen und mit Schutt gefüllt.

Ralswiek, Insel Rügen. Grabanlage von  Hugo Sholto Oskar Georg Graf von Douglas.

Ralswiek, Insel Rügen. Grabanlage von Hugo Sholto Graf von Douglas.

Rekonstruktionsversuch des Großdolmens von Hagen

In meinem Beitrag vom 5. August 2013 habe ich das Schicksal des Großsteingrabs von Hagen (Gemarkung Prora, Gemeinde Binz) als Steinbruch für Heldendenkmale in Binz, Putbus und Zirkow beschrieben. Der damals noch unbekannte Verbleib des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Binz, zu dem nach W. Hansen (W. Hansen, Mannus 25, 1933, 337-352) der Deckstein des Großdolmens umgearbeitet worden ist, konnte jetzt aufgeklärt werden. In der Ortschronik, die vor dem Kurhaus von Binz in einer Schautafel ausgehängt ist, findet sich für das Jahr 1913 folgender Eintrag: „… Das Kaiserdenkmal (Ecke Putbuserstraße-Strandpromenade) wird für 25 Regierungsjahre Wilhelm II. eingeweiht. Heute ist es ein Gedenkstein mit der Inschrift Seebad 1884„. Der bei W. Hansen publizierte Grundriss erlaubt nun eine Rekonstruktion des Großdolmens.

Hagen, Insel Rügen. Rekonstruktionsversuch des zwischen 1896 und 1926 zerstörten Großdolmens. Grundriss nach W. Hansen, 1933.

Hagen, Insel Rügen. Rekonstruktionsversuch des zwischen 1896 und 1926 zerstörten Großdolmens.

Die Turnhalle von Gingst

Das vorletzte Werk der architektonischen Moderne, welches Ulrich Müther (1934-2007) auf der Insel Rügen realisierte, war das Dach der Turnhalle in Gingst. Im Kollektiv mit Frank Siepelt und Harry Neumann konstruierte Müther 1984 zwei doppelt gekrümmte Buckelschalen in einer Stärke von 8 cm, welche einen Raum von 30 m x 15 m überspannten. Von Innen verkleidete man die Betonschalen mit zementgebundenen Holzfaserplatten (Sauerkrautplatten).

Gingst, Insel Rügen. Sporthalle mit einem Dach aus zwei doppelt gekrümmten Buckelschalen.

Gingst, Insel Rügen. Sporthalle mit einem Dach aus zwei doppelt gekrümmten Buckelschalen.

Staub von den Geschützen abklopfen

Ein einzigartiges Dokument aus der preußischen Nutzungszeit der Prosnitzer Schanze südlich von Gustow auf Rügen befindet sich im Ernst-Moritz-Arndt-Museum von Garz. Das mit Instruktion für den Wärter der Prosnitzer Schanze betreffs des in Prosnitz niedergelegten Artillerie-Materials überschriebene Heftchen umfasst neun Paragraphen mit Anweisungen. Sie reichen vom Verhalten im Fall eines Einbruchs, bis hin zum regelmäßigen Nachzählen und Abstauben der Geschütze.

Garz, Ernst-Moritz-Arndt Museum. Instruktion für den Wärter der Prosnitzer Schanze. 1864.

Garz, Ernst-Moritz-Arndt Museum. Instruktion für den Wärter der Prosnitzer Schanze. 1864.

Celtic-fields bei Putbus

Pastitz-Forst, Insel Rügen. Celtic-fields. Rechts oben die Bahnlinie Putbus-Bergen.

Pastitz-Forst, Insel Rügen. Celtic-fields. Rechts oben die Bahnlinie Putbus-Bergen.

Durch die Bereitstellung von digitalen Geländemodellen durch das Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen Mecklenburg-Vorpommern ist es nun möglich, bisher unzugängliche Waldgebiete nach Strukturen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit zu durchsuchen. In den Karten finden sich nicht nur Grabhügel, Großsteingräber, Burgwälle und Schwedenschanzen, sondern auch vorgeschichtliche Flurrelikte, die nach Funden in Großbritannien in der Fachsprache als celtic-fields bezeichnet werden. Ein Gebiet von über 1000 Quadratmetern Größe liegt im Wald zwischen Putbus und Bergen. Nach einer Aufbereitung des digitalen Kartenausschnitts mit der Software GIMP konnten die verschachtelten Felder sichtbar gemacht werden.

Heile Welt im Bunker

Tief im Bunkersystem der Fla-Raketenabteilung 4324 auf den Moritzhagener Bergen bei Neuenkirchen entdeckte ich das Bild: Blick auf Bobbin. Gemalt hat es Michael Karrasch, 1985. Im Keller der Kasernen im KdF-Seebad Prora, ein weiterer Fund: Holländische Windmühle im Kornfeld. Nach dem Bauboom der letzten Jahre dürften beide Werke inzwischen verschwunden sein.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Gemälde im Raketenbunker.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Gemälde im Raketenbunker.

Prora, Insel Rügen. Holländische Landschaft in einem Clubraum der NVA-Kaserne

Prora, Insel Rügen. Holländische Landschaft in einem Clubraum der NVA-Kaserne