Greifbare Zeit

Archäologie und Denkmalpflege auf der Insel Rügen

Kategorie-Archiv: Natur und Landschaft

Grabhügel im Park Dwasieden bei Sassnitz

Den ehemaligen Park der Villa Hansemann südlich von Sassnitz erlebt man heute nur noch als bedrückendes Ruinen- und Trümmerfeld. Auf einer Fläche 102 Hektar summieren sich der Schutt der 1948 gesprengten Villa Hansemann, der Kasernenbauten der Kriegsmarine und der 1990 leergezogenen und dem Verfall preisgegebenen Anlagen der Volksmarine. Die ursprüngliche Landschaft, die sich nicht nur durch ein lebendiges Oberflächenrelief, sondern auch durch besonders viele prähistorische Grabanlagen auszeichnete, ist vor dieser Kulisse nicht mehr erkennbar. Wie erging es zum Beispiel dem Grabhügel, der im preußischen Meßtischblatt und auf einer Postkarte südlich des Stabsgebäudes dargestellt ist? Im März 2018 habe ich die Stelle aufgesucht und unmittelbar am Unterkunftsgebäude der Technischen Kompanie 18 den Rest des Grabhügels entdeckt. Der Hügel ist stark durch die Baugrube des Gebäudes und eine Fernwärmeleitung beschädigt, aber es gibt ihn noch.

Sassnitz, Kaserne Dwasieden. Postkarte um 1938.

Sassnitz, Kaserne Dwasieden. Postkarte um 1938. Pfeil – Grabhügel.

Sassnitz, Kaserne der Volksmarine. Rest des Grabhügels an gleicher Stelle.

Sassnitz, Kaserne Dwasieden. Pfeil – Grabhügel im März 2018.

Advertisements

Burgwall Bietegast

Im frühen Mittelalter errichtete die slawische Bevölkerung der Insel Rügen mächtige Wallburgen, um sich und ihre Götterbilder vor Feinden zu schützen. Die Wahl des Bauplatzes richtete sich häufig nach geographischen Vorteilslagen. Gewässer, Sümpfe und Steilküsten boten ausgezeichnete Deckung, so dass künstliche Wälle in den geschützten Abschnitten reduziert oder sogar eingespart werden konnten. Einzigartig in der Ausnutzung natürlicher Synergien war der Burgwall Bietegast 3 km nördlich von Garz. Hier bildete ein Os aus dem Weichselglazial den Abschnittswall einer 2 ha großen Halbinsel im Kniepower-See.

bietegast_burg

Bietegast, Insel Rügen. Der Burgwall im System von Oberflächenstrukturen des Weichselglazials. Die Karte entstand unter Verwendung des freien geographischen Informationssystems QGIS.

Rechtwinklige Rippelmarken am Strand von Binz

Die wellenförmigen Rippelmarken an den Sandstränden der Ostsee verlaufen in der Regel parallel zur Küstenlinie. Eine seltene Ausnahme war am 23. September 2016 am Strand von Binz zu beobachten. Zwei Rippelsysteme berührten sich im rechten Winkel. Die Ursache für das Phänomen könnte eine plötzliche Änderung der Strömungsrichtung gewesen sein.

Binz, Insel Rügen. Strömungsrippel am Strand.

Binz, Insel Rügen. Strömungsrippel am Strand.

Mineralwasser für den Krieg

In dem Soldatenmagazin Der Krieg in Wort und Bild 1914/17 schaltete Johannes von Maltzan aus Penzlin mehrmals eine Anzeige für sein Tafelwasser aus der Hertha-Quelle von der Insel Rügen. Edmund Edel, der renommierte Berliner Illustrator und Gebrauchsgrafiker, schuf ein Werbeplakat. Um das zu seinem Besitz gehörige Gut Rosengarten zu einem Kur- und Badebetrieb zu entwickeln, hatte er auf Rügen Bohrungen durchführen lassen und war 1000 m südöstlich des Gutes auf Mineralwasser gestoßen. Eine Postkarte aus der Zeit zeigt die kräftig sprudelnde Quelle und ein Gebäude, in dem sich die Abfüllanlage befand. Heute sind von dem Betriebsgebäude nur noch die Grundmauern erkennbar. Die Quelle selbst ist aus Sicherheitsgründen mit Betonringen eingefasst und abgedeckt. Der Abfluss verläuft durch ein Rohr und mündet nach 100 m in einem Gehölz in die Rosengartener Beek.

Rosengarten, Insel Rügen. Hertha-Quelle. 1 Quellfassung; 2 Fundamente des Betriebsgebäudes; 3 Austritt der Quelle.

Rosengarten, Insel Rügen. Hertha-Quelle. 1 Quellfassung; 2 Fundamente des Betriebsgebäudes; 3 Austritt der Quelle.


Rosengarten, Insel Rügen. Hertha-Quelle.

Rosengarten, Insel Rügen. Hertha-Quelle.

Ein Drumlin-Schwarm bei Lubkow

In dem Dreieck zwischen Karow, Lubkow und Zirkow ist im digitalen Geländemodell ein Schwarm von linearen Strukturen eiszeitlichen Ursprungs auszumachen, welcher der bei Trent beschriebenen Formation ähnelt. Die bis zu zwei Kilometer langen Streifen sind allerdings etwas schwächer ausgeprägt und der Winkel zur Ost-West Richtung ist mit 43 Grad geringer. In der geologischen Fachliteratur bezeichnet man entsprechende Geländeformen als Drumlins, Crag-and-tail-Ablagerungen oder Flutes. Für die Entstehung waren dynamische Prozesse der Eisschilde verantwortlich, so dass die Ausrichtung parallel zur Eisbewegung erfolgte. Die Strukturen entstanden wahrscheinlich während der letzten Eisvorstöße aus dem Ostseeraum zwischen 12.800 und 13.200 v.h.

Lubkow, Insel Rügen. Eiszeitliche Strukturen zwischen Binz, Lubkow und Zirkow.

Lubkow, Insel Rügen. Eiszeitliche Strukturen zwischen Binz, Lubkow und Zirkow.

Geologische Makrostrukturen

Durch die vom Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen M-V bereitgestellten LiDAR-Daten (Light detection and ranging) ist es nun möglich geologische Strukuren in großen Zusammenhängen zu erfassen und zu verstehen. Besonders eindrucksvoll sind Makrostrukturen im Bereich von Trent im nordwestlichen Teil der Insel Rügen. Hier zeigt das LiDAR-Luftbild einen Schwarm von über zwanzig parallelen Linien, die sich, wie mit dem Lineal gezeichnet, über eine Länge von bis zu 15 km hinziehen. Der Winkel zur Ost-West-Richtung beträgt 56 Grad. Im Gelände sind die Strukturen aus der Bodenperspektive nicht oder nur schwach als leichte Wellen im Sandboden wahrnehmbar. Da die geologische Übersichtskarte im Raum von Trent Kiessand und Sand der Oser des Weichselglazials ausweist, gehen die beobachteten Strukturen vermutlich auf Abschmelzprozesse der letzten Eisbewegungen des Weichselgletschers zurück.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

Trent, Insel Rügen. Eiszeitliche Makrostrukturen.

Der fürstliche Spalierobstgarten in Putbus

Nach der Beschreibung des fürstlichen Treibgärtners D. Zoch im Gartenmagazin: Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau vom 20. Januar 1895 hatte der Obstgarten in Putbus über 80 Birnen- und Apfelspaliere, sowie Anpflanzungen mit Pfirsichen, Aprikosen und Schattenmorellen. Viele der Sorten, wie Belle des Abrés oder Hardenponts Leckerbissen, sind im Obstangebot unserer Zeit nicht mehr präsent; nur Williams gute Christbirne kommt einem noch bekannt vor. Bei Pflegearbeiten, die Mitarbeiter des Biospärenreservats in den letzten Jahren im östlichen Parkbereich durchführten, konnten verwilderte, knorrige Relikte von den alten Obstspalieren freigeschnitten werden.

Putbus, Insel Rügen. Obstspalier nach D. Zoch, 1895.

Putbus, Insel Rügen. Obstspalier nach D. Zoch, 1895.

Putbus, Insel Rügen. Rest eines alten Spalierobstbaums im Schlosspark.

Putbus, Insel Rügen. Rest eines alten Spalierobstbaums im Schlosspark.

Pilze im Winter

Ein Scharlachroter Kelchbecherling am 23. Februar 2014 auf der Halbinsel Drigge, Insel Rügen.

Ein Scharlachroter Kelchbecherling am 23. Februar 2014 auf der Halbinsel Drigge, Insel Rügen.

Pilze im Februar? Das Rot des Kelchbecherlings (Sarcoscypha coccinea) leuchtete wegen des milden Winters bereits am 23. Februar 2014 auf dem Waldboden der Halbinsel Drigge. Ein seltener Fund, denn der Pilz steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Gesteinsbildung auf der Insel Rügen

Schon aus der Ferne ist westlich der Straße vom Fährhafen Mukran nach Sassnitz ein großer Gesteinsblock inmitten einer Pferdekoppel zu erkennen. Da der Stein nicht im Kataster der Geotope von Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet ist und auch nicht in der geologischen Fachliteratur erwähnt wird, habe ich ihn mir aus der Nähe angesehen. Der Stein ist für Rügen einzigartig, denn es handelt sich nicht um ein von den Gletschern der Eiszeit transportiertes und geformtes Geschiebe, sondern um ein an Ort und Stelle gebildetes Konglomerat. Mit einer Länge von über 8 m und einer Breite von 6 m gehört er zu den größten Steinen der Insel Rügen. Die Fundstelle befindet sich innerhalb einer ehemaligen Kiesgrube, die während des Baus des Fährhafens Mukran in den 1980er Jahren angelegt worden war. Das Material ähnelt der in der Nähe am Kliff Dwasieden aufgeschlossenen Grobschotterbank, die sich unter den Sedimenten eines eiszeitlichen Stausees befindet.

Dubnitz, Insel Rügen. Konglomerat.

Dubnitz, Insel Rügen. Konglomerat.

Lancken-Sassnitz, Insel Rügen. Sedimente eines eiszeitlichen Stausees über einer Grobschotterbank.

Lancken-Sassnitz, Insel Rügen. Sedimente eines eiszeitlichen Stausees über einer Grobschotterbank.

Falter auf der Preußensäule

Erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man den Falter aus der Familie der Eulen (noctuidae) auf dem Postament der Preußensäule von Neukamp bei Putbus.

Gut getarnt. Ein Eulenfalter auf der Preußensäule von Neukamp.

Gut getarnt. Ein Eulenfalter auf der Preußensäule von Neukamp.