Greifbare Zeit

Archäologie und Denkmalpflege auf der Insel Rügen

Kategorie-Archiv: Baudenkmale und Kunst

Soldatengraffiti

Graffiti, auf Wände oder in Baumrinde geritzte Notizen von Soldaten, sind auf der früher intensiv militarisierten Insel Rügen häufig zu finden. Der älteste Beleg stammt von dem Gelände des Sperrwaffenarsenals Tilzow bei Bergen. Am 3. Juni 1943 verewigte sich hier auf einem Baumstamm ein Soldat (oder Zwangsarbeiter) mit seinem Porträt. An seine Freundin in Dresden dachte vermutlich ein Soldat des Marinepionierbataillons (MPiB-18) in Sassnitz-Dwasieden, als er seine Monika in die Trümmer des Schlosses einritzte. Unklar ist die Bedeutung einer Notiz vom 26. März 1987 auf einem Bunker der Fla-Raketenabteilung 4324 in Neuenkirchen, Moritzhagener Berge. Vielleicht handelt es sich um einen Prüfvermerk.

Pastitz Forst, Insel Rügen. Baumgraffiti im Sperrwaffenarsenal Tilzow.

Pastitz Forst, Insel Rügen. Baumgraffiti im Sperrwaffenarsenal Tilzow.

Sassnitz Dwasieden, Insel Rügen. Graffiti auf einem Trümmer des Schlosses.

Sassnitz Dwasieden, Insel Rügen. Graffiti auf einem Trümmer des Schlosses.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Graffiti auf einem Bunker.

Neuenkirchen, Insel Rügen. Graffiti auf einem Bunker.

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Das Kriegerdenkmal im Putbuser Park

Im südwestlichen Bereich des Putbuser Schlossparks befindet sich eine aufwändige Heldengedenkstätte für die Gefallenen des 1. Weltkriegs. Das Zentrum bildet ein von Arkaden gefasster Hof, an dessen westlichem Rand ein rechteckiger Steinblock mit der Inschrift „Unsern Helden“, einem übergroßen Stahlhelm und einem Schwert, auf den Zweck der Anlage hindeutet. Der Steinblock liegt genau in Ost-West Richtung auf einer Linie zwischen dem Schwanenteich im Osten und einer mächtigen Eiche im Westen. Um den Kern ist ein zweiter Kreis aus einer niedrigen Mauer im Osten und Eibenhecken im Norden und Süden gelegt. Eine breite Öffnung lässt die Achse zwischen Steinblock und Eiche frei. Weitere Öffnungen des äußeren Kreises befinden sich im Nord- und Südosten. Nach Nordosten führt ein Weg den Hügel hinab zu einem Eichenhain. In den Weg sind Treppenstufen mit eingeschrieben Kriegsjahren zwischen 1914 und 1918 eingelassen. Diese Befunde und weitere Spuren von eisernen Kreuzen, Halterungen für Gitter, Ketten und blutroten Porphyren im Bodenbelag des inneren Kreises, lassen auf eine Symbolsprache schließen, die noch entschlüsselt werden müsste.

Putbus, Insel Rügen. Lageskizze des Kriegerdenkmals im Park.

Putbus, Insel Rügen. Lageskizze des Kriegerdenkmals im Park.

Putbus, Insel Rügen. Der zentrale Steinblock am Kriegerdenkmal ist genau Ost-West ausgerichtet.

Putbus, Insel Rügen. Der zentrale Steinblock am Kriegerdenkmal ist genau Ost-West ausgerichtet.

Kunstvolles Obstspalier am Kap Arkona

Der bereits 1836 im preußischen Urmesstischblatt verzeichnete Nutzgarten des Leuchtturmwärters am Kap Arkona hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Er liegt unterhalb des sogenannten „Schinkel-Leuchtturms“ in einer sonnigen, südwestlichen Hanglage. Leider wird er in letzter Zeit kaum noch gepflegt. Bei einem Besuch entdeckte ich 2012 Relikte von einem kunstvollen Obstspalier, welches als Begrenzung der Gartenfläche angelegt worden war.

Rügen. Der Garten des Leuchtturmwärters von Südwesten.

Kap Arkona, Insel Rügen. Der Garten des Leuchtturmwärters von Südwesten.

Obstspalier am Kap Arkona.

Obstspalier am Kap Arkona.

Wiki Loves Monuments 2012 in Germany

Für das Bild: „Garz, Landkreis Vorpommern-Rügen. Bergener Straße 23. Ehemaliges Beamtenwohnhaus der Kleinbahn“ erreichte „RügenSommer“ Platz 41 im internationalen Wettbewerb „Wiki Loves Monuments 2012“. Wikimedia Commons berichtete auf seiner Internetseite, dass der erstmals im vergangenen Jahr (2011) durchgeführte Wettbewerb inzwischen durch Guinness World Records mit etwa 168.000 hochgeladenen Lichtbildern als größter Fotowettbewerb anerkannt wurde. Mit etwa 366.000 in diesem Jahr (2012) hochgeladenen Fotos, wurde die Zahl noch einmal mehr als verdoppelt.

Der Große Kurfürst von Neukamp

Preußensäule Neukamp

Preußensäule Neukamp, Insel Rügen. Aufsetzen des Großen Kurfürsten.

Das Denkmal zur Erinnerung an die Landung des Großen Kurfürsten im Krieg gegen Schweden am 13.09.1678 ist nun komplett. Am 22.08.2012 setzten Mitarbeiter der Firma „Denkmalpflege Mühlhausen“ die tonnenschwere Sandsteinskulptur auf das Kapitell.

Die Preußensäule von Neukamp wurde wiedererrichtet

Neukamp, Insel Rügen. Preußensäule.

Neukamp, Insel Rügen. Preußensäule.

Von den zur Erinnerung an „Großthaten des preußischen Heeres“ durch Friedrich Wilhelm IV. bei Neukamp und Groß Stresow errichteten Gedenksäulen, konnte die 1991 wegen akuter Baufälligkeit abgebrochene Säule von Neukamp am 10. Juli 2012 durch den Landkreis Vorpommern-Rügen wiedererrichtet werden. Die Säule von Groß Stresow soll im Jahr 2013 folgen.

Bäderarchitektur auf der Insel Rügen

Mit der „Franzosenzeit“ und der damit ausgelösten Entwicklung des Bewusstseins für Hygiene und Gesundheit um 1800 setzten sich auch in Deutschland namhafte Mediziner, so auch der Rostocker Professor Samuel Gottlieb Vogel für die Errichtung von Kurbädern am Meer ein.

Das Baden im Meer war damals etwas völlig Neues und nur schwer mit den hygienischen Gepflogenheiten und den prüden Moralvorstellungen der Zeit vereinbar. Örtliche Geschlechtertrennung, Badekostüme, Badekarren, Badehäuser und Badeboote waren daraus resultierende Erscheinungen. Das von den Ärzten geforderte Nacktbaden kam allenfalls auf entlegenen Stränden der Nordseeinseln und der Insel Hiddensee in Betracht. Badestellen an der Küste Rügens waren so ungewöhnlich, dass sie sogar auf den ersten topographischen Karten der Neuzeit, der „Spezial Charte“ von Friedrich von Hagenow aus dem Jahre 1829 und dem preußischen Urmesstischblatt von 1836 verzeichnet waren. Diesen Eintragungen von Badekarren und Badehäusern zufolge nahm der Badebetrieb auf Rügen am „Friedrich-Wilhelm-Bad“ in der „Goor“ südöstlich der Residenzstadt Putbus und beim Ort „Aalbeck“, einer später in Binz aufgegangenen Fischersiedlung zwischen Schmachter See und Prorer Wiek, seinen Anfang. Beide Zellen entwickelten sich unterschiedlich. Das Putbuser Bad blieb bis heute eine solitäre Einrichtung für „gehobene“ Gesellschaftsschichten, während sich Binz volkstümlicher zeigte und eine vielfältige Bautätigkeit entwickelte, aus der etwas später die für die Ostseeküste charakteristische „Bäderarchitektur“ hervorging.

1817 legte Fürst Wilhelm Malte von Putbus den Grundstein für das „Friedrich-Wilhelm-Bad“ als einem repräsentativen Badehaus mit Speisesaal, Salons, Zellen für Warmbäder, Logierzimmern und Wirtschaftsräumen. Die klassizistische Architektur mit der imposanten Schauseite aus 18 dorischen Säulen und auch die Inneneinrichtung mit marmornen Sitzbadewannen italienischer Provenienz nahm Bezug auf die Formensprache der klassischen Antike. Das ursprünglich aus mehreren Einzelgebäuden in Fachwerkbauweise zusammengesetzte Ensemble wurde durch eine einheitliche Blendfassade zu einem langrechteckigen, zweigeschossigen Backsteinbau zusammengefasst. Mit Ausnahme der Rückseite tragen die Außenwände flache Zierpilaster, zwischen denen die zumeist von Faschen umrahmten hochrechteckigen Fenster liegen. Unter dem Hauptgesims befindet sich an der Vorderseite und den Schmalseiten des Gebäudes ein Triglyphen-Fries. Die Kolonnade besitzt eine Kassettendecke. Das flache Dach ist hinter einer Attika verborgen.

Badehaus Goor bei Putbus, Rügen, während des Umbaus 2005.

Badehaus Goor bei Putbus, Rügen, während des Umbaus 2005.


Der Badebetrieb im „Friedrich-Wilhelm-Bad“ umfasste je nach Art des zu behandelnden Leidens eine Brunnenkur, ein Warmbad und das kalte Seebad im Freien. „Die zum Seebade sich einstellenden Kurgäste leiden nicht selten an Unterleibsbeschwerden, Verschleimung, Infarcten und anderen Übeln … Je nach Art des Übels hatte sich der Kranke vor der Seebadkur einer Brunnenkur zu unterziehen. Etwa 18-20 Krüge Mineralwasser (Eger-, Maria-, Kreuz- oder Carlsbader Neubrunnen) sollte der Gast neben Molken aller Art (z. B. Eselsmilch) trinken. Die notwendigen Wässerchen, die vom Badearzt Dr. Benedix verschrieben wurden, erhielt man bei dem Putbuser Apotheker Hiebendahl. Das Wasser musste nach und nach getrunken werden, etwa aller Viertelstunde ein Glas. Bei dem Trinken des Wassers und danach empfahl man langsames Bewegen auf der Allee, im Schlossgarten oder bei Regen in einem geräumigen Zimmer. Neben der Brunnenkur spielte das Seewasserbaden in den angeratenen sieben Wochen Aufenthalt eine besondere Rolle, denn zu diesem Zweck kamen nicht nur kranke Besucher. Nach allen Regeln der Ordnung verlief das Baden in den Kabinetten und im Rügischen Bodden. Für das Benutzen der Badezellen stellte der Badearzt eine Liste auf, welche die Reihenfolge der sich bei ihm gemeldeten Gäste festlegte. Der damalige Bademeister Schulze hängte die Tafel im Korridor aus und wies den jeweiligen Badenden die Badezimmer zu. Für einen Preis von 13 Silbergroschen durfte der Gast ein Kabinett zum Warmbad (auch Sturz-, Regen- oder Tropfbäder) eine Stunde lang nutzen. Den Wannenbädern gab man oft Schwefel, Kräuter oder Malz je nach Umständen zu. Für das kalte Seebaden, dessen Wirkung ärztlich genau untersucht wurde, bestanden Vorschriften zur Bekleidung und Trennung der Geschlechter.“

Der Badebetrieb in Binz war zunächst weniger mondän. Die Tatsache, dass auf der Hagenow’schen Karte (1829) zwischen den Badekarren und Badehäusern noch eine Heringspackerei verzeichnet ist, zeigt hier, anders als in Putbus, den Beginn einer allmählichen Entwicklung vom Fischer- zum Badeort. Das Interesse des Berliner Bürgertums an der Ostseeküste begann sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Küste Rügens und damit auch auf Binz auszudehnen. Im Jahre 1853 war Binz ein Straßendorf mit 150 Einwohnern, die sich auf 15 entlang der heutigen Bahnhofstraße stehende Häuser verteilten. Landwirtschaft und Fischerei bildeten die wirtschaftliche Grundlage. Der Dorfkrug reichte als einzige Unterkunft für die Urlauber bald nicht mehr aus. Die Binzer öffneten ihre Häuser den Gästen und erschlossen sich so eine Erweiterung ihrer spärlichen Erwerbsmöglichkeiten. Die Erdgeschosse der mit Schilf gedeckten Häuser mit Krüppelwalmdächern wurden in der Saison den Fremden überlassen, während die Einheimischen in den Sommermonaten in die zu diesem Zweck ausgebauten Dächer zogen. Nach und nach wurden die Häuser vergrößert und der Komfort verbessert. 1870 kamen 80 Gäste nach Binz und schon 1875 waren es mehr als 500. Das rapide Anwachsen des Fremdenverkehrs führte dazu, dass Umbau und Erweiterung bestehender Häuser den Bedarf an Beherbergungsmöglichkeiten nicht mehr decken konnten und so wurde 1882 eine planmäßige Ortserweiterung durch den damaligen Eigentümer des Landes, den Fürsten von Putbus, in Angriff genommen, die sich bis heute an dem schachbrettartigem Grundriss der Straßen ablesen lässt. Die überwiegende Zahl der Häuser entstand im Zeitraum zwischen 1890 und 1910. Nachdem 1892 die Eisenbahnstrecke Putbus-Sassnitz und die Kleinbahn Putbus-Göhren eröffnet wurden, erleichterte dies die Erreichbarkeit von Binz und den anderen Badeorten an der Ostküste erheblich. Darüber hinaus verbesserte der Bau von Landungsbrücken in Binz, Sellin und Göhren die verkehrstechnische Anbindung der Badeorte.

Während die Umbauten und Erweiterungen der alten Fischer und Bauernhäuser trotz zum Teil kunstvoll verzierter offener Holzveranden, die die ganze Hausbreite einnahmen, relativ bescheiden wirkten, entsprachen die Neubauten dem Repräsentationsbedürfnis ihrer auswärtigen Besitzer. Beeinflusst von klassizistischen Bauten in Putbus, Berliner Gründerzeitvillen und Schweizer Lungensanatorien entwickelte sich die sogenannte Bäderarchitektur, eine spezielle Ausformung des Eklektizismus, zu deren wesentlichen Merkmalen offene Balkone und Veranden aus Holz oder später Metall mit filigran ausgesägten Ornamenten vor massiven Fassaden gehörten. Eine vertikale Gliederung erfolgte durch Risalite und Türme, Gauben und sogar farbig ornamentierte Dachflächen. Da die Gebäude in der Regel nicht als Dauerwohnungen dienten und nur in den Sommermonaten genutzt wurden, wurden keine Anforderungen an Heizung und die heute so wichtige Wärmedämmung gestellt. Die Grundrisse der Gebäude zeigen ein einfaches Schema. Quer durch das Haus verlief ein schmaler, ca. 1,80 m breiter Korridor, von dem nach beiden Seiten die Ferienzimmer abgingen. Zwischen den Zimmern befanden sich weitere Türen, die je nach dem Raumbedarf der Feriengesellschaft geöffnet oder verschlossen werden konnten. An einem Ende des Korridors lag eine Etagenküche und das Treppenhaus. Auf den Treppenabsätzen führten Türen in einen separaten Anbau, in dem die Toiletten untergebracht waren. Badezimmer gab es nicht. Hinter dem Pensionsgebäude wurden manchmal einfache Gesindehäuser in Fachwerkbauweise errichtet.

Der Zuschnitt der Pensionen zeigt, dass sich die damaligen Feriengewohnheiten erheblich von unseren heutigen unterschieden haben. Etagenküchen, Verbindungstüren und Gesindehäuser lassen darauf schließen, dass gerne in großen Gesellschaften Urlaub gemacht wurde. Der eigentliche Badebetrieb in Binz, Sellin, Göhren und Saßnitz und den anderen Ferienorten an der Ostseeküste Rügens entsprach im Prinzip dem im noblen Friedrich Wilhelm Bad von Lauterbach/Putbus. Das Trinken von Mineralwasser geschah in den jeweiligen Kurhäusern. Warmbäder mit Badekabinen standen in Binz, Heinrich-Heine Straße 7 und Sellin, Warmbadstraße 4, den Gästen zur Verfügung. Für das Baden im Meer wurden in jedem Seebad getrennte Damen-, Herren- und Familienbadestellen eingerichtet. Hierbei handelte es sich um U-förmig zum Wasser geöffnete Pfahlbauten mit Umkleidekabinen, Sichtschutz und in das Wasser hinabführenden Treppenanlagen. In Nachbarschaft der Badeeinrichtungen entstanden Vergnügungsstätten, Pavillons für Konzerte, Kasinos, Gotteshäuser und zahlreiche Gaststätten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Abklingen des Flüchtlingsstromes wurden 1953 in der „Aktion Rose“ viele Pensionen enteignet und in Volkseigentum überführt. Die Gebäude wurden durch architektonisch anspruchslose Zweckanbauten nicht immer vorteilhaft erweitert und für den Massentourismus der DDR hergerichtet. Für den Gebäudeerhalt wurde das Notwendigste getan. Aus Mangel an Baukapazitäten kamen Eingriffe in die Gebäudesubstanz jedoch nur selten vor und mit der Verabschiedung des DDR-Denkmalpflegegesetzes von 1975 wurden sogar viele Bauzeugnisse der Bäderarchitektur unter staatlichen Schutz gestellt. Unter der Rubrik: „Denkmale zur Kultur und Lebensweise der werktätigen Klassen und Schichten des Volkes“ taucht das Badehaus Goor als Ferienheim des VEB Bandstahlkombinat Hermann Matern, Eisenhüttenkombinat Ost, Eisenhüttenstadt, in der Denkmalliste auf. In Binz, Sellin und Göhren und anderen Badeorten wurden komplette Straßenzüge als „Denkmalensemble“ in die Denkmalliste eingetragen.

Ostseebad Binz, Rügen, Haus Metropol - vor und nach der Modernisierung.

Ostseebad Binz, Rügen, Haus Metropol - vor und nach der Modernisierung.


In einer Stellungnahme zur denkmalpflegerischen Bedeutung der Bäderarchitektur in Binz vom 1. Oktober 1991 äußerte der damalige Hauptkonservator Dr. Gerd Baier zur Zukunft der Bäderarchitektur nach der politischen Wende: „Ihre Erhaltung und Zurückführung auf die ursprüngliche architektonische Gestalt ist sehr zu begrüßen und als ein akutes denkmalpflegerisches Anliegen zu bezeichnen. Zu beachten ist dabei, dass so weit wie möglich auch die innere Raumstruktur dieser Häuser wieder erlebbar gemacht wird, ohne dass dabei angemessenen Forderungen auf Funktionsgerechtigkeit und sanitäre Modernisierung entgegengewirkt werden soll“. Diese Zugeständnisse an moderne Wohnstandards, Baunormen und Rentabilität bedeuteten jedoch in der Realität häufig einen schweren Eingriff in die Gebäude- und Denkmalsubstanz, wenn nicht sogar das Erlöschen des authentischen Zeugniswertes. In Modernisierungsanträgen, die der unteren Denkmalschutzbehörde nach 1990 vorlagen, fanden sich besonders häufig Aufstockungen des Dachgeschosses, Vollwärmeschutz, Austausch der einfach verglasten Originalfenster gegen Fenster mit Isolierverglasung, Austausch der Holzbalkendecken gegen Betondecken und Totalerneuerung der Balkonanlagen. Leichtigkeit, Frische und Verspieltheit, die der Bäderarchitektur ursprünglich anhaftete, ging dabei oftmals teilweise oder ganz verloren. Im Inneren der Pensionen wurden die langen Flure aufgelöst und den Ferienappartements zugeschlagen. Auch die schönen Holztreppen und Türen des Originalbestandes haben in diesen hermetisch gegen Schall und Außentemparaturen abgeschlossenen Appartements schon aus Gründen der Brandschutznormen oftmals keinen Platz. Die aus der aktuellen Modernisierungswelle entstandene „neue Bäderarchitektur“ bietet zwar eine schöne Kulisse, hat aber keinerlei Zeugniswert über die frühe Badekultur an der Ostsee und deren Auswirkungen auf die Architektur. Daher gilt die besondere Aufmerksamkeit der Denkmalschutzbehörden den wenigen noch nicht modernisierten Gebäuden oder den bereits im Bestand reparierten Pensionen der Bäderarchitektur, die es für die Zukunft zu bewahren gilt.

Literatur

Andre Farin, Die Blütezeit des Friedrich-Wilhelm-Seebades in Putbus 1-5, Ostsee-Zeitung Rostock 1992.

Carola Herbst, Dr. S. G. Vogel, Allgemeine Baderegeln 1817, Wismar 2005.

Walter Ohle, Gerd Baier, Die Kunstdenkmale des Kreises Rügen, Leipzig 1963.

Ilona Pieper, Rekonstruktion und Umbau des Hauses „Metropol“. Denkmalpflegerische Zielstellung 1995. Landkreis Rügen, Die Landrätin, untere Denkmalschutzbehörde, Akte zu Denkmal Nr. 167.

Ilona Pieper, Umbau und Erweiterung – Haus „Neander“, Binz. Denkmalpflegerische Zielstellung 1994. Landkreis Rügen, Die Landrätin, untere Denkmalschutzbehörde, Akte zu Denkmal Nr. 132.

Markus Sommer-Scheffler, Die Bäderarchitektur der Insel. In: Armin Kühne, Rügen im Wandel, Leipzig 2007, 62-65.

Holger Wegner, Badehaus Goor „Friedrich-Wilhelm-Bad“. Denkmalpflegerische Zielstellung 2004. Landkreis Rügen, Die Landrätin, untere Denkmalschutzbehörde, Akte zu Denkmal Nr. 406.

Fort Grahlhof auf Rügen

Nachdem Schwedisch-Pommern zusammen mit der Insel Rügen 1814/15 an Preußen gekommen war, sollte im Raum Stralsund-Rügen ein Schwerpunkt der preußischen Marine entstehen. Die „Marinestation“ auf der Stralsund vorgelagerten Insel „Dänholm“ legte dazu einen wichtigen Baustein. Auf Rügen realisierte man dagegen nur wenige der damals geplanten Befestigungen. Als Erstes wurde 1876 in Grahlhof vor dem strategisch wichtigen Fähranleger ein Fort errichtet. Durch Neuerungen in der Waffentechnik war es jedoch schon nach wenigen Jahren überholt und wertlos geworden. 1898 wurde es verkauft, die Gräben zugeschüttet, das Ziegelmauerwerk abgetragen. Nur das Wallmeisterhaus ist als einiger Überrest erhalten geblieben.

Fort Grahlhof, Insel Rügen, Wallmeisterhaus

Fort Grahlhof, Insel Rügen, Wallmeisterhaus

DDR-Kunst auf der Insel Rügen – Vorläufige Liste

Die folgende Liste gibt eine Übersicht über Kunstwerke der DDR-Zeit auf der Insel Rügen im öffentlichen Raum.

  1. Bergen Süd
    Freiplastik
    Mutter Kinder
    unbekannt
    ?
  2. Binz POS
    Wandbild
    Jugend und Freundschaft
    Tom Beyer
    1967/68
    überputzt
    Lichtnau 1979, 199.
  3. Binz Strandpromenade
    Skulptur
    Große Liegende
    Anne Sewcz
    1985
    http://www.annesewcz.de
  4. Binz Strandpromenade
    Skulptur
    Große Schreitende
    Wolfgang Friedrich
    1985
    http://www.bildhauer-friedrich.de/files/plastik.htm
  5. Binz Prora. POS „Egon Schulz“
    Keramik Wandbild
    Wehrbereitschaft der Jugend
    Klaus Rösler
    1972
    Wandbild an der ehemaligen polytechnischen Oberschule "Egon Schulz" in Binz/Prora, Insel Rügen.

    Wandbild an der ehemaligen polytechnischen Oberschule „Egon Schulz“ in Binz/Prora, Insel Rügen.

  6. Binz Prora. Hochschule „Otto Winzer“
    Freiplastik
    Otto Winzer
    1981
  7. Garz POS
    Wandbild
    Jugend und Lernen
    Gudrun Arnold
    1967/68
    ?
    Lichtnau 1979, 199.
  8. Gingst
    Freiplastik
    Ehrenmal für die Wiedererbauer
    Hans-Peter Jaeger, Stralsund
    1975
  9. Glowe Jugendherberge
    Mosaik
    Siegfried Korth
    zerstört

    Glowe, Jugendherberge (abgerissen). Wandbild Siegfried Korth (zerstört).

    Glowe, Jugendherberge (abgerissen). Wandbild Siegfried Korth (zerstört). Foto: Postkarte.

  10. Glowe, am Süßling, GST-Lager
    Wandbild
    Karlheinz Kuhn
    zerstört
    mündl. D. Barthel
  11. Glowe, am Süßling, GST-Lager
    Wandbild
    Taucher
    Gudrun Arnold
    1986
    Kretschmer 2006.
  12. Glowe, am Süßling, GST-Lager
    Wandbild
    Segeln
    Hans Bartel
    1986
    Kretschmer 2006.
  13. Mukran Gaststätte
    Wandbild
    Die Eisenbahn fährt über das Wasser
    Hans Bartel
    Kretschmer 2006.
  14. Putbus Grundschule
    Keramik
  15. Sagard, POS „Otto Grotewohl“
    Wandbild
    Hochseefischer
    Mathias Wegehaupt
    1967
    Kretschmer 2006. Berger 2010.
  16. Sagard, POS „Otto Grotewohl“
    Wandbild
    Lernen und Landwirtschaft
    Oskar Manigk
    1967
    Kretschmer 2006. Berger 2010.
  17. Sassnitz, Kino
    Wandbilder, Fresken
    Menschen in der Freizeit
    Joachim Jastram
    1955
    Kretschmer 2006.
  18. Sassnitz
    Freiplastik
    Denkmal ODF
    Reinhard Schmidt

Sybille Berger, Der Traktorist und die Fischer – Oskar Manigks und Matthias Wegehaupts Schulwandbilder in Sagard – ein Blickwechsel. Rugia. Rügen Jahrbuch 2010.

Anja Kretschmer, Architektur und Bildkünste aus der Zeit der DDR auf den Inseln Rügen und Usedom. Dokumentation und denkmalpflegerische Bewertung. Masterarbeit. Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Institut für Bauforschung, Archäologie und Denkmalpflege. Gutachter: Prof. Dr. Achim Hubel. 2006.

Bernfried Lichtnau, Untersuchungen zur Entwicklung der Wandmalerei im Bezirk Rostock. Greifswald-Stralsunder Jahrbuch 12, 1979, 183-208.

DDR-Kunst auf der Insel Rügen

Bauwerke und öffentliche Kunstwerke aus der DDR-Zeit, die unter staatlichem Denkmalschutz stehen, sind in Mecklenburg-Vorpommern nur selten zu finden. Eine Ausnahme bildet der ehemalige Landkreis Rügen, in dem bereits in der Denkmalliste von 1997 mehrere Bau- und Kunstwerke der DDR-Zeit verzeichnet waren.

Inzwischen ist die Liste weiter angewachsen. Unter den Gebäuden treten die „Hypar-Schalen“ von Ulrich Müther mit ihrer dem Meer angepassten „Leichtigkeit“ hervor. Schöne Beispiele sind in Baabe, Glowe und Binz zu finden. Großflächige Bildwerke, darunter solche von Gudrun Arnold, Oskar Manigk, Matthias Wegehaupt, Jo Jastram und Hans Dieter Bartel können in Glowe, Sagard und Sassnitz bewundert werden. Es gibt auch Neuentdeckungen. In der Ausgabe vom 31. Januar 2012 berichtete die Ostsee-Zeitung von einem Wandbild an der ehemaligen Polytechnischen Oberschule „Egon Schulz“ in Prora. In der Form eines Triptychons thematisiert das Bild Lernen und Arbeiten. Nach Auskunft von Prof. Dr. B. Lichtnau stammt es von dem Wolgaster Künstler Klaus Rösler (* 1938). Es handelt sich um eine Auftragsarbeit mit dem Arbeitstitel „Wehrbereitschaft der Jugend; Erziehung der Jugend zu bewußten Staatsbürgern“. Ausgeführt wurde das Werk mit Alacerin-Farben auf keramischen Platten; Maße: 4,75 m mal 3,00 m. An der Strandpromenade zwischen Binz und Prora trifft man auf Skulpturen, die 1985 im Rahmen des 1. Ostseepleinairs der Gewerkschaften geschaffen wurden. Unter den Künstlern sind die Namen von Anne Sewcz und Wolfgang Friedrich zu finden.

Wandbild an der ehemaligen polytechnischen Oberschule "Egon Schulz" in Binz/Prora, Insel Rügen.

Wandbild an der ehemaligen polytechnischen Oberschule „Egon Schulz“ in Binz/Prora, Insel Rügen.